Milchkammer wurde zum Sudhaus der "Nanni-Bräu"

Martin Körzdörfer betreibt in Freiahorn die wohl kleinste Braustätte in der Fränkischen Schweiz

FREIAHORN - Die Brauereien sind aktuell nicht zu beneiden. Die einen müssen wegen des Absatzeinbruchs in der Gastronomie jede Menge Bier wegschütten, die anderen hoffen immer noch auf staatliche Finanzhilfen. Eine plagen solche Sorgen nicht: Es ist ausgerechnet die kleinste Braustätte der Fränkischen Schweiz.


Der Brau- und Malzmeister Martin Körzdörfer hat die ehemalige Milchkammer auf dem Hof in Freiahorn eigenhändig zu einem kleinen Sudhaus umgebaut.

© Foto: Richard Reinl

Wanderer auf dem Brauereienweg durch das Ahorntal staunen nicht schlecht, wenn sie in Freiahorn direkt gegenüber der kleinen Kapelle unverhofft ein Werbebanner am Gartenzaun entdecken: "Nanni-Bräu – Kleinste Brauerei der Fränkischen Schweiz". Selbst Bierkenner müssen passen: "Nie gehört. Wo soll die denn sein?" Wenn man Glück hat, steht der Bräu im Hof und erzählt die Geschichte des immerhin schon seit dem Jahr 2008 angemeldeten Betriebs.

Job in der Malzfabrik

Wer angesichts des Mini-Ausstoßes von normalerweise nur einem Hektoliter im Monat glaubt, einen Hobbybrauer vor sich zu haben, wird eines Besseren belehrt, handelt es sich doch beim Inhaber Martin Körzdörfer um einen ausgebildeten Brauer- und Malz-Meister, der heute im Hauptberuf bei der Malzfabrik Ireks in Kulmbach arbeitet.

Ein Werbeschild mitten in Freiahorn weist den Weg zur "Nanni-Bräu".

© Richard Reinl

Einen Bürojob hätte er sich nie und nimmer vorstellen können. Er wollte selbst handwerklich etwas herstellen und es danach sehen oder besser auch noch schmecken können. Also bewarb er sich um eine Lehre bei der Brauerei Maisel in Bayreuth. Später arbeitete er bei der Brauerei Schnupp in Altdrossenfeld und in der Mälzerei Weyermann in Bamberg, ehe er von 2003 bis 2005 die Meisterschule in München besuchte.

Als die Liebe den gebürtigen Seitenbacher ins Ahorntal lockte, lag es nahe, sich in der Heimat eine Arbeitsstelle zu suchen. So bewarb sich Körzdörfer bei der Firma Ireks in Kulmbach und wurde vom gebürtigen Pegnitzer Herbert Graf denn auch mit Kusshand eingestellt.

So klein wie die Brauerei in Freiahorn im Ahorntal ist auch das Firmenschild über dem Eingang zum Sudhaus. Der Name soll eine Reminiszenz an die Oma vom Hof sein.

© Foto: Richard Reinl

Parallel dazu träumte er seit jeher von einer eigenen Brauerei. Als seine Schwiegermutter die Landwirtschaft aufgab, half er ihr, das letzte Schwein zu schlachten, um anschließend sogleich mit dem Umbau zu beginnen. Die frühere Milchkammer mutierte zum Sudhaus, das er mit Eigenkonstruktionen und gebrauchten Utensilien aus dem Internet ausstattete. Unumwunden gibt er zu, dass er bei den ersten Suden durchaus einen Lernprozess durchmachte. Weizenbier wurde deshalb auch wieder aus dem Sortiment genommen.

"Wienerla aus dem Ahorntal"

Besser gelungen ist da schon das "erste Wienerla aus dem Ahorntal" mit 100 Prozent Wiener Malz aus oberfränkischer Braugerste. Standard ist heute jedoch ein bernsteinfarbenes Helles mit einer lang anhaltenden Hopfennote im Abgang, ein Dunkles und zum Jahresschluss ein Weihnachtsbock, bei dem er Wasser aus der Quelle bei Reizendorf mit Malz aus der Bierstadt Kulmach und Hopfen aus der Hallertau in einen süffigen Stoff mit 16,5 Porzent Stammwürze und 6,8 Volumenprozent Alkohol veredelt.

Gäste sind an Brau-Samstagen herzlich willkommen und so schaut auch immer wieder sein Arbeitskollege, der Braumeister Kilian Dettenhöfer aus Troschenreuth, vorbei. Gemütlich geht es da zu, wenn die Kinder mit ihrem Spielzeug-Traktor Hopfen und Malz anliefern. Während die Maische im Bottich blubbert, bleibt genügend Zeit, das naturtrübe "Nanni-Bräu" als ehrliches Bier zu loben, das unfiltriert, nicht erhitzt und auch sonst nicht weiter behandelt besonders viel Geschmack entwickelt.

Ein "Schornsteinbrauer"

Bewusst sieht sich Körzdörfer als "Schornsteinbrauer", der sein Bier nur am eigenen Hof verkauft, abgefüllt in Ein-Liter-Flaschen oder in kleinen Fässern. Große Werbung braucht er nicht und trotzdem stand jüngst ein Kamerateam vor seiner Tür, war die "Nanni-Bräu" doch neben der Held-Bräu in Oberailsfeld als Vorzeigebetrieb für den neuen Imagefilm über das Ahorntal auserkoren. Wer jetzt noch wissen will, woher der Name kommt? Es soll eine Reminiszenz sein an die Oma "Nanni".

RICHARD REINL

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