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Tucher braut wieder im historischen Sudhaus in Nürnberg

Auch beim Bier selbst steht altes Handwerk im Mittelpunkt

NÜRNBERG - Auf dem Dachboden lagert das Malz, im Erdgeschoss wird gebraut, im Keller liegen die Holzfässer zur Reifung: Ab sofort ist die ehemals größte Braustätte der Stadt, das denkmalgeschützte Sudhaus am Schillerplatz, wieder in Betrieb – nach einer umfassenden Sanierung des 1899 erbauten Gebäudes.


So sieht es aus, im komplett sanierte Sudhaus. © Günter Distler

"Wir brauen hier exakt auf der alten Fläche des historischen Sudhauses – und nutzen die Räumlichkeiten genau so wie früher", sagt Gunther Butz, Technik-Geschäftsführer der Tucher-Bräu. 

Einen einstelligen Millionenbetrag hat die Brauerei dafür in die Hand genommen. "Mehr als ursprünglich geplant", sagt der zweite Tucher-Geschäftsführer, Fred Höfler, am Montag bei der offiziellen Eröffnung. Fünf Jahre seien seit der Idee, wieder Bier mitten in der Stadt zu brauen, vergangen. Jahrzehntelang war das alte Sudhaus der Hauptstandort der Tucher-Brauerei, bis sie ab 1998 schrittweise an die Stadtgrenze nach Fürth zog. "Jetzt sind wir wieder zurück in unserer Herzkammer", sagt Höfler.

Auch beim Brauen besinnt sich Tucher auf seine Wurzeln: Im "Alten Sudhaus" wird ein obergäriges Rotbier hergestellt, das zum Teil in alten Holzfässern reift.

Aus jeweils vier Malzsorten brauen die beiden Brauer, die im Sudhaus tätig sind, ein Rotbier als Voll- und Starkbier, erklärt Bernhard Wagemann, Betriebsleiter bei Tucher für Produktion und Abfüllung. Das Starkbier reift in getoasteten Eichenholzfässern im Keller. "Durch die Behandlung der Innenseite mit Feuer hat jedes Fass seinen eigenen Charakter, den es an das Bier weitergibt."

Rotbier gibt's am Nürnberger Stadtstrand

Sechs bis sieben Wochen reift dieses "Mutterbier" im Keller, dann wird es mit dem klassisch hergestellten Rotbier verschnitten. Deshalb steht auf den Flaschenetiketten auch "Mit Eichenholzfass-gereiftem Rotbier veredelt", erklärt Wagemann. Das Ergebnis ist bernsteinfarben, "harmonisch und mildwürzig" und enthält etwa 5,5 Prozent Alkohol.

Zum ersten Mal probieren kann man das Original Nürnberger Rotbier am Stadtstrand, der am kommenden Samstag seine Türen öffnet. Geliefert wird das Bier natürlich in Holzfässern. Im regionalen Handel soll es das Rotbier in Euroflaschen geben.

Das sanierte Sudhaus ist nach Terminabsprache und Anmeldung unter der Telefonnummer 09 11/37 67 78 93 oder per Mail für Besucher zugänglich. Für Gruppen ab 25 Personen gibt es auch Führungen mit Bierprobe (neun Euro pro Person). 

Judith Horn

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